"D.I.Y.¹ bedeutet nicht sich von Mama
den Arsch abwischen zu lassen."

Gib mir, gib mir, gib mir. Lass mich auf deiner nächsten Party spielen, mach eine Platte mit mir, mach mal, mach mal, mach mal. Mir geht diese Schmarotzer-Mentalität zunehmend auf den Sack. Immer nur haben wollen und dabei peinlichst genau darauf achten nicht zu viel Energie zu investieren. "Investieren" beschreibt die Sache wohl ziemlich gut, die Gewinn- und Verlustrechnung, die hier aufgemacht wird, ist einfach knallharte Profitmaximierung. Bloß keine eigenen Resourcen verwenden sondern ausbeuten. Küßchen auf die Wange, buch mich mal auf der nächsten Party, na los. Ey nee, voll nicht, das geht mal gar nicht klar. Ich bin weder Dienstleister noch Vorturner oder Animierdame. Ich habe keinen Bock mehr Leute zu unterstützen, die selbst nichts organisieren und sich bequem auf Kosten anderer durchschleifen lassen- aus purem Egoismus. Es finden eben keine Parties statt wenn alle so denken, irgendjemand muss halt leider die Drecksarbeit machen. Also liebe DJs: wenn ihr auflegen wollt: dann kümmert Euch gefälligst darum und kriegt eine Veranstaltung auf die Reihe. Das bedeutet jetzt nicht, dass man unter keinen Umständen bei anderen Partyveranstaltern anklopfen sollte, nur wenn das alle machen würden: siehe oben.

Ebenso verbreitet ist diese "Nach mir die Sintflut"-Mentaltiät bei Partygästen: Bezahlen, konsumieren, heimgehen, sich-einen-Scheißdreck-um-irgendwas-kümmern. Würgomat, ich will keine Konsum-Zombies auf meine Parties herumspringen haben sondern ein interessiertes Publikum. Leute, die nicht wegsehen, wenn sich beispielsweise Typen dämlich verhalten sondern selbst einschreiten- denn nur so kann es ohne Security-Deppen funktionieren. Auch mal vielleicht nach der Party einen Besen in die Hand nehmen und den Veranstaltern beim fegen helfen, obwohl man nicht explizit gefragt wurde. Es geht im Leben nicht nur um "Und wieviel Geld bekomme ich dafür?"- Solidarität zeigt sich im alltäglichen Handeln. Idealismus statt Profitstreben.

Ich sehe "Breakcore" als eine D.I.Y.-Szene - und das impliziert einfach dass alle Einsatz zeigen und den ganzen Scheiß weder als Karriereleiter noch als Disney-Themenpark ansehen.

Ähnlich bei der Labelarbeit: Es ist nun mal so, dass Musik machen Spaß bedeutet, während Labelarbeit und irgendwo zwischen Kloputzen und Abwaschen rangiert: Es muss zwar gemacht werden, aber letzenendes hat keiner Bock darauf. Geld ist auch kein Anreiz ein kleines Label zu starten, denn bei Auflagen zwischen 300 und 700 Stück ist man froh wenn nach einem halben Jahr die Unkosten einer Platte halbwegs gedeckt sind.

Ich zumindest finde es nicht wirklich toll ein Label zu machen- nur habe ich noch weniger Bock mit meiner Musik bei anderen Labels hausieren zu gehen: Bitte, bitte, bringt mich raus. Das ist doch erbärmlich und nervig.

Positiver Nebeneffekt ist allerdings: Ich habe die volle Kontrolle über meine Releases- ich kann sie gestalten wie ich möchte ohne mir von irgendjemandem reinquatschen zu lassen, das ist schon ziemlich angenehm. Es hat auch gute Seiten, ansonsten würde es ja schließlich niemand machen. Offen gestanden ist da doch was, warum ich es mache, nämlich das gute Gefühl selbst etwas verändert zu haben. Selbst den ganzen Produktionsprozeß bestimmt zu haben und verantwortlich für alles gewesen zu sein.

Ich wollte noch auf etwas anderes hinaus: Es gibt ZU WENIGE Labels da draussen, die gute Musik veröffentlichen. Ich möchte mehr Musik auf Vinyl hören, hinter der die Verantwortlichen auch wirklich stehen. Platten, die nicht gemacht wurden um sich perfekt in einem perfekt-langweiligen DJ-Set mixen zu lassen sondern Musik, die versucht neue Wege zu erschliessen und nicht auf ausgetrampelten Pfaden herumeiert.

Es gibt erheblich viele Platten, bei denen zumindest ich mich frage, warum selbige überhaupt in die Welt gesetzt wurden- gnadenlose Ego-Überdehnung oder Geldgier? Wen interessiert denn noch der tausendste 4/4-untz-untz-tsch-tsch-Abklatsch, der 5 Minuten auf dem Dancefloor zündet und dann für immer im Plattenregal verschwindet? Dafür vergeude ich nicht die Rohstoffe von Mutter Natur (die Vinylproduktion verschlingt schließlich erhebliche Mengen Erdöl)- vielleicht sollte man sich mal überlegen ob Tracks wirklich auf Platte verewigt werden müssen, oder ob nicht der mp3-download reicht. Vielleicht kommen so mal endlich bessere Platten raus wenn nicht jeder Rotz sofort auf Vinyl gepresst wird- sondern ja, mag sich pathetisch anhören, Liebe in dem ganzen steckt. Ja, aus Liebe zu Musik und nicht aus Liebe zu Monotonie und Bargeld. Also schafft, zwei, drei, viele Labels, die sich diesen Grundsätzen verschrieben haben- ja, genau DU bist gemeint. Wer soll den Scheiß denn raushauen wenn nicht DU ? Es ist nicht schwierig ein Label zu machen; du kannst bei anderen kleinen Labels (z.B. freak-animals aber es gibt zig andere) nachfragen und los geht´s. Warum darauf warten was dir andere vorsetzen wenn du es selbst machen kannst?

Es geht aber noch weiter- warum sich auf vorhandene Vertriebsstrukturen verlassen? Warum nicht selbst welche aufbauen, selbst Kontakte zu Vertrieben und Labels knüpfen und ein weiterer Knotenpunkt im Netzwerk werden? Direkten Kontakt mit den Produzenten anstatt die anonymen Strukturen der Musikindustrie zu übernehmen ist viel lustiger- schließlich sollte es nicht darum gehen Kohle mit der Musik zu machen sondern einen Haufen anderer fanatischer, musikbesessener Irrer kennenzulernen. Anfangen weltweit zu kommunizieren und seine Konsumopferrolle zu durchleuchten.

Man kann zwar dem Kapitalismus nicht entfliehen und das Pressen und der Verkauf von Schallplatten ist sicher nicht "anti-kapitalistisch"- man kann aber das eigene Handeln kritisch beurteilen und so zu Alternativen kommen: Wie ist der Status quo, warum mache ich etwas genau so und nicht anders und wie würden die Zustände in einer befreiten Gesellschaft aussehen? Eine konstante Hinterfragung der herrschenden Zustände und keine blinde Akzeptanz einer gesellschaftlichen "Normalität". Kapitalismus setzt auf Abstumpfung und Routine. Alles hinnehmen wie es ist, Maul halten, fressen. Nicht hinsehen, wenn etwas passiert auf der Straße/auf einer Party, denn Polizei und Security kümmern sich darum.
Genau diese Form der Rollenteilung gilt es zu durchbrechen. Sei Polizei, Feuerwehr, EinbrecherIn, AusbrecherIn, VeranstalterIn, ProduzentIn, KonsumentIn plus tausend Identitäten mehr. Sei alles, probiere alles aus was dich interessiert und entdecke die unterschiedlichsten Perspektiven. Machen wir unser Leben zu tausend Leben in einem.

Freiräume erträumen, erkämpfen, erhalten und ausbauen.

Fazit: Arsch hoch! Nicht rumjammern, dass nichts passiert, sondern selbst aktiv werden und das eigene Leben in die Hände nehmen und selbst gestalten. Dies ist ein Aufruf, der sich an DICH richtet. Genau DU bist gefragt, dein Phantasie, deine Ideen, dein Tatendrang. JedeR kann die Welt verändern.

¹Anm.: (D.I.Y. steht für Do-It-Yourself und meint die Idee, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen.)





                                                                                                   LFO DEMON, Berlin 28.2.2003

 


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