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Nur noch Hass für dein Bierzelt übrig. Ganz großartig - endlich ist dieser Sound
da angekommen, wo er nie hinwollte. Party, Party und nochmals Party. Wie immer gilt auch hier: die guten, alten Zeiten
waren niemals wirklich gut. Auch früher war Sound kein Refugium,
in dem die Gesetze des Marktes nicht galten. Stillstand ist keine
Option und ein Schwelgen in Nostalgie erst recht nicht. Aber zumindest
gab es im Vergleich zu heute noch vor 3 Jahren eine größere
Vielfalt von verschiedenen Stilen unter dem Sammelbegriff "Breakcore".
Inzwischen bezeichnet dieser Begriff einen eindeutig definierten Sound.
Und die Mehrheit der Teilnehmenden bestimmt, was darunter zu verstehen
ist: nämlich Raveclownerie der Extraidiotenklasse. Insofern ist
das "B"-Word nichts, was man noch freiwillig in den Mund
nehmen, geschweige denn damit in Verbindung gebracht werden möchte. Alles was nicht ins Konzept des glattgebügelten
Discosounds passt, wird ausgemerzt; auf Platten und auf Parties. Acts,
die sich nicht ins gängige Muster fügen, spielen maximal
noch als Hintergrundbeschallung zu Beginn einer Veranstaltung. Man
hat Angst, sie würden den Verlauf einer Veranstaltung stören.
Es geht nicht um einen individuellen Ausdruck, die Schaffung von etwas Neuem oder sonstigem Humanistengedusel. Man ist sich seiner Rolle vollauf bewußt: als Erzeuger der Ware Kultur, die einen Käufer finden muss. Die Verwertungkrtierien gelten einem als Naturgegebenheit: was sich verkaufen soll, muss einem imaginierten Konsumentenwunsch untergeordnet werden. So entwirft man einen Musterschnitt, der auf dem Tanzboden und in Verkaufszahlen funktionieren muss, und produziert diesen in einer Endlosschleife wieder und wieder. Am besten dann noch auf das, was garantiert zu 100% keimfrei ist, ein pseudo-rebellisches Image draufgepappt - das kommt gut an bei den Kids, der Rockcircus macht dieses Prinzip ja vor seit Jahrzehnten. Willkommen in der Produktion des Massenbetrug. Und der drückt sich auch in
dem Niveau des Sounds aus: Der alleinige Bezug auf bereits Bekanntes
sichert eine störungsfreie Verwertung. Es wird sinnlos Zitat
an Zitat gereiht. Stumpfsinnig sampled man sich durch die Popgeschichte
ohne jemals zu reflektieren, was man da eigentlich gerade benutzt.
So wie Stefan Raab aus dem Kontext gerissene Situationen präsentiert,
und das Publikum auf Kommando lachen muss, s "Fun ist ein Stahlbad. Die Vergnügungsindustrie
verordnet es unablässig. Lachen in ihr wird zum Instrument des
Betrugs am Glück." Weil der Sound bekannter wird, sind auf einmal 1000 Schmeißfliegen am Start, die bei dieser "neuen, tollen und unbekannten" Musik mitmischen wollen. Und die, die schon immer darauf gewartet haben, sehen nun endlich die Jahre harter Arbeit ausbezahlt und ihre Superstarkarriere anbrechen. Ich muss Euch leider enttäuschen, denn falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: mit ausschließlich geklauter Musik lässt sich nicht das dicke Geld verdienen. Außerdem sind die meisten von Euch Nerds zu unappetitlich und/ oder alt, um jemals Teeniestars werden zu können. In einem anderen Kontext hat das weder mit DJ Paul noch Marc Arcadipane geklappt. Aber es mag ja für den einen oder anderen erstrebenswert erscheinen, als abgehalfterter Ex-Comedystar durch die Bierzelte dieses Planeten zu tingeln. Diese simple Banalität wird ignoriert, wenn
Ruhm, Bitches und Money als funkelnde Fassade am Horizont glitzern.
Dafür verleugnet man auch den Rest seiner nicht-vorhandenen Persönlichkeit
und schleimt sich bei jedem ein, der einem noch nützlich sein
könnte auf dem Weg nach oben. Bloß nichts falsches sagen
oder eine eigene Meinung haben, man könnte es sich ja mit einer
potentiellen Chance verscherzen und die eigene Zukunft verbauen! Hier
verhält man sich in vorauseilendem Gehorsam genau so, wie es
der postfordistische Kapitalismus vom Individuum erwartet: werde der
Agent deiner eigenen Arbeitskraft, verkaufe dich selbst bestmöglich.
Sozialkontakte sind dafür essentiell; sie formen das Netz, aus
dem sich Karrierechancen ergeben. Das haben die Individuen auch schon
begriffen und so wird fleißig gearbeitet, zu jeder Zeit und
überall. Jeder neue Kontakt wird so zu einer Jobmöglichkeit,
jede Party zu einer möglichen Lohnerhöhung, jedes neue Release
zu einer Beförderung. In spätestens 2 Jahren will niemand mehr euren Schrott hören, eure billige Kirmesmusik. Aber Ihr werdet sicher weiterhin einen neuen Sound finden, den man den Kids als "cool und in" andrehen kann, eure belanglose Scheisse weiterhin als "das große Ding" verkaufen. Oh, Grime ist jetzt das Ding? Gleich mal ein neues Projekt starten, schließlich phantasiert man sich selbst ja als "professionellen Producer", der alle Bedürfnisse der Konsumenten mit seiner Riesenlatte befriedigen kann. Peniswahn und gnadenlose Selbstüberschätzung – wahrscheinlich braucht man die illustre Persönlichkeit eines hochgradig kokainabhängigen Elefantenmensches, um diesen Film zu fahren. So bleibt mir nur die Hoffnung, dass all die Idioten das Spielfeld irgendwann wechseln, weil nichts mehr zu holen ist, ihnen die Lust vergangen ist oder irgendwo ein neuer Goldrausch ausgebrochen ist. Tut mir einen Gefallen und verreckt. Ich pisse auf euer Grab. "Pretty people with smiling
faces / dancing happy basket cases / ecstatic not to comprehend /
depression that will never end" lfo demon, Berlin 17.8.2005 |